Das Buch

Weil es mich gibt
Porträts von
außergewöhnlichen Menschen
Mit Fotos von Christopher Mavrič und
Texten von 
Stefan Schlögl
128 Seiten, 24 Euro
ISBN 978-3-99028-786-6
Verlag Bibliothek der Provinz 2018
Buchgestaltung: Alexander Kada
Konzept und Layout: Lisa Gaugl 
Jetzt im Buchhandel

„Weil es mich gibt“ porträtiert 24 ältere Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, ihr Leben, ihre Erfahrungen, Sehnsüchte und Sorgen, ihre Arbeit und ihren Alltag. Es sind Erlebnisse und Schicksale, die in dieser Tiefe noch nie in einem Buch versammelt wurden.

 

Es sind erstaunlich normale Geschichten, die diese Menschen zu erzählen haben, und gerade das macht sie so außergewöhnlich. Sie geben Auskunft über die Suche nach einem Platz in der Familie, der Gesellschaft, nach einem Partner oder einer erfüllenden Arbeit. Hoffnungen und Ziele, die ein Leben eben so ausmachen. Wie bei jedem von uns. 

 

Diese Biographien erzählen aber auch davon, was es heißt, in eine Zeit hineingeboren zu werden, in der es in Österreich  so gut wie keine spezialisierten heilpädagogischen Einrichtungen und entsprechend ausgebildeten Ärzte gab. „Geistesschwach“, meist verbunden mit einem lapidaren „da kann man nichts machen“, so lautete in den 1950ern und 1960ern die übliche Diagnose. Das war damals mehr Urteil als Befund.

 

Viele von ihnen wurden versteckt, als billige Arbeitskraft eingesetzt oder in Nervenheilanstalten abgeschoben. Manche von den Porträtierten, die in der Nazi-Zeit zur Welt kamen und mit dem Stigma behaftet waren, eine „lebensunwerte“ Existenz zu sein, waren gar vom Tode bedroht.

 

„Weil es mich gibt“ erzählt anhand dieser Biographien also auch die Geschichte des Umgangs der österreichischen Gesellschaft mit Behinderten seit 1945 und davon, wie die Menschen selbst, ihre Familien und Angehörigen ihr Leben in der Nachkriegszeit und den ersten Jahren der Zweiten Republik meistern mussten.

Zu dieser Geschichte gehört aber auch die Gründung von Organisationen und Vereinen, allen voran die Lebenshilfen, die ab den 1970ern Anlaufstelle, Unterstützer und Heimstatt für Menschen mit Behinderungen waren und sind.

 

Viel ist seitdem geschehen. Längst stehen nicht mehr allein gemäße Verpflegung und Unterkunft im Mittelpunkt, sondern eine möglichst individuelle Förderung und Unterstützung, die Rücksichtnahme auf persönliche Bedürfnisse und Wünsche.

 

Doch seit einigen Jahren stehen immer mehr Organisationen und Standorte vor einer Herausforderung, die gewissermaßen ein Spiegelbild der österreichischen Gesellschaft ist: Auch diese Menschen werden immer älter.

 

Wie kann würdevolles, den unterschiedlichen Ansprüchen und Bedürfnissen gerechtes Altern gelingen? Wie können Bindungen an Freunde, Angehörige auch im Alter und im Fall der Pflegebedürftigkeit gewahrt bleiben? Wo sollen die Betroffenen gepflegt werden? In spezialisierten Pflegeheimen? Oder doch in ihrem gewohnten Umfeld? Und wie gehen sie selbst mit altersbedingten Problemen um?

 

Es sind Fragen, die uns alle irgendwann einmal angehen. Im Bereich der Betreuung von intellektuell Beeinträchtigten sind sie noch viel schwieriger zu beantworten.

 

„Weil es mich gibt“ erzählt entlang der Biographien also auch von einem der größten Umbrüche, vor denen alle Vereine und Organisationen im Bereich der Förderung und Unterstützung von Behinderten in Österreich stehen.

Zur Entstehung

 

24 Menschen sind in diesem Buch versammelt, das aus einem Projekt des Fotografen Christopher Mavrič entstanden ist.

 

Vor zwei Jahren porträtierte Mavrič für die Lebenshilfen Soziale Dienste GmbH Graz und Umgebung knapp dreißig ältere Personen, die in den Standorten des Vereins wohnen und arbeiten in anspruchsvollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen.

 

Bilder, die den Journalisten und Buchautor Stefan Schlögl inspirierten, auch die Biographien dieser Menschen zu erzählen – und das frei von Idealisierung und Betroffenheitsgestus.

 

Die Menschen in all ihrer außergewöhnlichen Normalität, als eigene, individuelle Persönlichkeit darzustellen, das war das Ziel dieses Projekts von Christopher Mavrič und Stefan Schlögl, aus dem schließlich ein Buch entstehen sollte. 

 

Vor einem Jahr erklärte sich die Lebenshilfen Soziale Dienste GmbH Graz bereit, dieses Projekt zu unterstützen und warb bei weiteren Vereinen, sich zu beteiligen.

 

Schließlich nahmen 24 Personen aus zehn Lebenshilfe-Organisationen teil:

 

Lebenshilfe Ausseerland, LNW NetzWerk GmbH Feldbach, Lebenshilfe Fürstenfeld, Lebenshilfe Hartberg, Lebenshilfe Region Judenburg, Lebenshilfe Knittelfeld, Lebenshilfe Leibnitz, Lebenshilfe MurauSoziale Dienste GmbH Graz und Umgebung-Voitsberg sowie Lebenshilfe Trofaiach.

 

Wir, die Autoren, bedanken uns bei den Verantwortlichen der Lebenshilfen Soziale Dienste GmbH Graz und allen anderen teilnehmenden Vereinen für die großzügige finanzielle und professionelle organisatorische Unterstützung - und für ihr Vertrauen in uns und unsere Arbeit.

 

Ebenso bedanken wir uns bei den Betreuerinnen und Betreuern sowie den Standort-Leiterinnen und -Leitern für die durchwegs harmonische Zusammenarbeit sowie ihre Hilfsbereitschaft bei der Recherche. 

Dass es dieses Buch gibt, dass diese Fotos und Biographien einen Einblick in einen Bereich unserer Gesellschaft ermöglichen, der nicht im Fokus der aktuellen Berichterstattung steht, ist vor allem aber jenen zu verdanken, die sich uns oft lange und immer geduldig zur Verfügung gestellt haben: den Menschen, von denen dieses Buch erzählt.